Empirismus
Der Empirismus (griechisch εμπειρισμός, von der Empirie, < lateinisch: empiricus = der Erfahrung folgend) ist eine erkenntnistheoretische Richtung in der Philosophie, die alle Erkenntnisse aus der Sinneserfahrung, der Beobachtung oder dem Experiment ableitet (und von keinerlei Vorwissen ausgeht). Klassisch steht er im Gegensatz zum Rationalismus. Eine moderne Form des 20. Jahrhunderts ist der Logische Empirismus.
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[Bearbeiten] Begriffsweite
Auf sinnliche Erfahrung beschränkt, ist der Empirismus ein Sensualismus. Der klassische Empirismus steht im Gegensatz zum klassischen Rationalismus, der die Vernunft als für den Erkenntnisprozess wesentlich hervorhebt, und zum Nativismus, der auch angeborene Ideen und Begriffe zulässt. Der Empirismus hingegen legt seinen Schwerpunkt auf die Erfahrung und sinnliche Wahrnehmung.
Unabhängig von seinem philosophischen Wahrheitsgehalt hat der Empirismus als Grundlage wissenschaftlicher Arbeit eine große Bedeutung bis in die Gegenwart. Neben der Abduktion bildet die Induktion als typische Schlussweise des Empirismus das Fundament wissenschaftlicher Theoriebildung.
Im Wiener Kreis entwickelte sich ein Logischer Empirismus, der im 20. Jahrhundert von Rudolf Carnap wirkungsmächtig vertreten wurde. So beeinflusste er in Amerika Philosophen wie Willard Van Orman Quine und mit ihm die Postanalytische Philosophie, weil Erkenntnis als logische Konstruktion der Erfahrung interpretiert wurde. Eine Möglichkeit, das Prinzip des Empirismus, das heißt die Gewinnung von Erkenntnissen auf der Basis von Sinnesdaten, auf mathematische Weise zu handhaben, zeigt das Bayes-Theorem.
[Bearbeiten] Vertreter
Philosophiegeschichtlich ist der materialistische Empirismus vom idealistischen zu unterscheiden.
- John Locke ist einer der Hauptvertreter des materialistischen Empirismus, der der These René Descartes von angeborenen Ideen (Rationalismus) widersprach. Nach Locke gleicht der Geist eines Neugeborenen einer unbeschriebenen Tafel (tabula rasa), die durch Sinneseindrücke zu beschreiben ist.
- George Berkeley und David Hume sind wichtige Vertreter des idealistischen Empirismus. Während nach Locke die Wahrnehmungen Auskunft über die körperliche Welt geben, sind für Berkeley und Hume nur die Wahrnehmungen real. Eine gegenständliche Welt, die die Wahrnehmungen auslöst, ist ihnen zufolge nicht beweisbar.
- Francis Bacon (Begründer bzw. Stammvater des Empirismus)
- Bas van Fraassen vertritt eine moderne Spielart des Empirismus, den sog. Konstruktiven Empirismus
- Thomas Hobbes
- John Stuart Mill
[Bearbeiten] Kritik
Die Einschränkung der Erkenntnis auf den Bereich der bloßen Erfahrung lässt sich nach Meinung von Kritikern des Empirismus jedoch letztlich nicht halten. Sie weisen u.a. darauf hin, dass nicht einmal der Satz „Alle Erfahrungserkenntnis ist wahr“ aus Erfahrung herleitbar ist. Erst recht gelte dies für den Grundsatz des Empirismus, dass alleine die Erfahrung wahre Erkenntnis gewährleiste.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Engfer, Hans-Jürgen: Empirismus versus Rationalismus? Kritik eines philosophiegeschichtlichen Schemas. Schöningh, Paderborn 1996. ISBN 3-506-72241-7
- Kambartel, Friedrich: Empirismus. In: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. (BI, Mannheim 1980 S. 542f;) 2., neubear.u.wes.ergän.Aufl. Metzler, Stuttgart 2005 S. 320f. (umf. Lit.) ISBN 978-3-476-02108-3
- Longworth, Guy: Rationalism and Empiricism () Vorauss. 2008 in: S. Chapman, C. Routledge (Eds.): Key Ideas in Linguistics and the Philosophy of Language. Edinburgh Univ. Press, Edinburgh
[Bearbeiten] Weblinks
- Peter Markie: „Rationalism vs. Empiricism“ in der Stanford Encyclopedia of Philosophy (englisch, inklusive Literaturangaben)
- Elliott Sober: Empiricism, veröff. in Vorb. in: S. Psillos und M. Curd (Hgg.): The Routledge Companion to the Philosophy of Science (pdf) informiert über aktuellere Entwicklungen
- Lexikon der Philosophie: „Empirismus“
- Aufsätze zur Debatte um Empirismus und Rationalismus in der Erkenntnistheorie