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Paul Auster

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Paul Auster (2008)

Paul Benjamin Auster [pɔːl ˈbɛndʒəmɪn ˈɔːstɚ] (* 3. Februar 1947 in Newark, New Jersey) ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Zudem arbeitet er als Regisseur, Kritiker, Übersetzer und Herausgeber. Er ist verheiratet mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

[Bearbeiten] Kindheit und Jugend

Paul Auster wurde am 3. Februar 1947 in Newark, New Jersey geboren. Die Eltern seines Vaters Samuel waren jüdische Immigranten und stammten aus Stanislau in Galizien, dem heutigen Iwano-Frankiwsk. Auch seine Mutter Queenie Bogat war eine Nachfahrin osteuropäischer Juden aus der Ukraine und Polen. Am 12. November 1950 kam Austers Schwester Janet zur Welt. Die Geschwister wuchsen in einem mittelständischen, bildungsbürgerlichen Umfeld auf.

Bereits 1959 begann Auster, Gedichte und kleine Aufsätze zu schreiben. Mit 13, als er seine Bar Mitzwa feierte, dachte er darüber nach, Rabbi zu werden. In seinem letzten High-School-Jahr ließen sich seine Eltern scheiden. Er und seine Schwester lebten nach der Trennung bei ihrer Mutter. Schon im frühen Jugendalter entwickelte sich Auster zu einem passionierten Bücherleser, der regelmäßig die Stadtbibliothek aufsuchte. Der Roman Schuld und Sühne von Fjodor Dostojewski löste in ihm den Wunsch aus, selbst Schriftsteller zu werden.

Austers zweite Leidenschaft jener Tage galt dem Sport. Seine Mitschüler beneideten ihn wegen seiner guten Leistungen in Baseball, Basketball und Football. Regelmäßig wurde er in ein Sommerferiencamp im Norden New Yorks geschickt und kam dort mit vielen gesellschaftlichen Randgestalten in Berührung.

1966 beendete Auster die High School, seine Mutter war nun in zweiter Ehe verheiratet. Auster demonstrierte gegen den Vietnamkrieg, wurde einmal verhaftet. Er traf zum ersten Mal die Schriftstellerin und Übersetzerin Lydia Davis, seine spätere Frau. Die beiden heirateten am 6. Oktober 1974.

[Bearbeiten] Leben als Autor

Lydia Davis’ Vater, ein Englisch-Professor, brachte Auster die französischen Dichter nahe. Während eines einmonatigen Aufenthalts in Paris entdeckte Auster seine Vorliebe für die französische Sprache und Kultur. Er reiste nach Italien, Spanien und auf den Spuren von James Joyce nach Dublin. Zurück in Paris begann er eine intensive Auseinandersetzung mit Lyrik, und er schrieb Drehbücher für Stummfilme. Ab 1968 entstanden erste Romanentwürfe.

Nach seiner Rückkehr in die USA studierte Auster bis 1970 Anglistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University. Im August 1970 heuerte er durch Vermittlung seines Stiefvaters für sechs Monate als Matrose für niedere Arbeiten auf einem Tanker im Golf von Mexiko an.

Von 1971 bis 1974 lebte er wieder in Paris. Dort hatte er eine Begegnung mit Samuel Beckett, die ihn sehr beeindruckte. Er arbeitete als Übersetzer, Englischlehrer und Telefonist für die New York Times. Auf Einladung eines Filmproduzenten reiste er für einen Monat als Ghostwriter für dessen Frau nach Mexiko.

Zurück in den USA nahm Auster einen Lehrauftrag an der Columbia University an, übersetzte nebenberuflich französische Autoren ins Englische und arbeitete als Herausgeber französischer Literatur für amerikanische Verlage. Zu dieser Zeit arbeitete Auster fast ausschließlich als Lyriker und Kritiker; seine Finanzen standen schlecht. Gemeinsam mit seiner Freundin Lydia Davis bezog er eine Wohnung am Riverside Park mit Blick auf den Hudson; die Heirat fand bald darauf statt. Im Herbst 1975 erhielt Auster ein mit 5000 $ dotiertes Stipendium der Ingram-Merrill-Foundation, wo er mehrere Einakter schrieb. Im Juni 1977 wurde sein Sohn geboren. Unter dem Pseudonym Paul Benjamin schrieb Auster 1978 den Kriminalroman Squeeze Play.

Anfang 1979 starb der Vater, und mit der Hinterlassenschaft konnte Auster seine Tätigkeit als Schriftsteller absichern. Mit der literarischen Annäherung an die Person seines Vaters in Die Erfindung der Einsamkeit erfolgte die Wendung zum Prosadichter. Sein Sohn erkrankte schwer an Asthma; im gleichen Jahr trennten sich Auster und seine Frau. Er suchte sich eine neue Wohnung in Brooklyn. Im Februar 1981 begegnete er bei einer Dichterlesung Siri Hustvedt, Tochter eines Norwegisch-Professors. Das Paar zog bald darauf zusammen und heiratete im Juni 1982. Auster nahm eine Professur in Princeton an. Im Juli 1987 wurde die Tochter Sophie geboren; Namensgeberin war Sophie Fanshawe aus der NY-Trilogie.

Nach dem Erfolg von Stadt aus Glas erschienen weitere literarische Werke (Prosa, Lyrik, Übersetzungen, Drehbücher) in jährlichem Rhythmus. Die Familie zog in ein Haus bei Park Slope. Weihnachten 1990 veröffentlichte die New York Times in ihrem Feuilleton Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte, die auch von Wayne Wang gelesen wurde. Nach ersten Treffen zwischen Auster und dem Regisseur wurden 1994 die Filme Smoke und Blue in the Face gedreht. Auster begann einen künstlerischen Dialog mit Sophie Calle, der zu dem gemeinsamen Buch Double Game führte.

1998 wurde Austers Sohn für schuldig befunden, aus der Tasche eines toten Dealers 3000 Dollar gestohlen zu haben, und zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Ein einschneidendes Erlebnis der jüngeren Vergangenheit, das wie alle anderen biografischen Details in Austers Literatur Einzug fand, ist ein schwerer Autounfall, bei dem Siri Hustvedt aus dem Wrack geschnitten werden musste.

Gegenwärtig lebt Auster mit seiner Familie in einem viktorianischen Haus nahe dem Prospect Park in Brooklyn; er ist viel auf Reisen, zu Lesungen in den USA und Europa. Neben seinen Büchern arbeitet er weiterhin an eigenen Filmen.[1] [2] [3] [4] [5]

Heute gilt Paul Auster als einer der führenden amerikanischen Autoren; er ist Vize-Präsident des PEN American Center. Besonderes Renommee genießt er in Deutschland und Frankreich, wo seine Verkaufszahlen höher liegen als in den USA. Seine Werke sind weltweit in über dreißig Sprachen übersetzt worden.

[Bearbeiten] Werk

Weltbekannt wurde Auster durch seine Serie experimenteller Detektivgeschichten, die gesammelt als New-York-Trilogie (1987) veröffentlicht wurden. Nach dem bescheidenen Erfolg seines Prosa-Debüts Erfindung der Einsamkeit, das einen Versuch der Annäherung an seinen verstorbenen Vater darstellt, wurde Stadt aus Glas zunächst von siebzehn Verlagen abgelehnt, gelangte dann aber auf die Nominierungsliste für den Edgar Allan Poe Award. Die Trilogie enthält die Geschichten City of Glass – Stadt aus Glas (1985), in der es um einen Krimiautor geht, der im Laufe der Erzählung verschiedene Identitäten annimmt. Ghosts – Schlagschatten (1986), handelt von einem Detektiv namens Blue, der einen Mann namens Black für seinen Kunden White beobachtet. The Locked Room – Hinter verschlossenen Türen (1986) ist die Geschichte eines Autors, der das Leben eines anderen Schriftstellers für eine Biographie aufarbeitet und dabei anfängt, dessen Leben zu leben. Jeder der drei Romane wirkt zu Beginn wie eine klassische Kriminalgeschichte. Die Beobachtungen und Nachforschungen der Protagonisten münden jedoch nicht in der Aufklärung eines Kriminalfalles oder der Erledigung eines Auftrags, sondern sie reflektieren und veranschaulichen letztendlich ihr persönliches Schicksal und führen im weiteren Verlauf der Handlung zur Selbsterkenntnis. Austers Detektivgeschichten sprengen den gewöhnlichen Rahmen dieses Genres. Die Form dient der Darstellung und Analyse existentieller Probleme und Fragen nach der menschlichen Identität.

In Paul Austers Werk gibt es starke Bezüge zu den amerikanischen Transzendentalisten des 19. Jahrhunderts, namentlich zu Nathaniel Hawthorne und Henry David Thoreau. Es finden sich Einflüsse des Poststrukturalismus im Sinne von Jacques Derrida und der Psychoanalyse von Jacques Lacan.

Auster variiert in seinen Büchern die Frage des Verhältnisses von natürlicher Ordnung zur symbolischen Ordnung der Dinge. Die Transzendentalisten glauben an eine Trennung der Gegensätze, zugleich aber auch an die Möglichkeit der Rückführung zueinander. Lacans Theorie besagt, dass wir die Welt durch Sprache wahrnehmen und strukturieren. Auch unser Unbewusstes konstituiert sich durch Sprache, so dass ein fundamentaler Mangel in der Wahrnehmung der Welt entsteht. Bereiche, die nur gespürt werden können, entziehen sich der sprachlichen Festlegung. Austers Protagonisten sind oft Schriftsteller und Suchende, die sich der scheinbaren Unordnung der Welt und dem Chaos der Ereignisse ausgeliefert fühlen. Die Figuren und mit ihnen ihr Schöpfer er-schreiben sich ihre Rückkehr in geordnete Verhältnisse. Das Finden und Erfinden von Strukturen, sei es im Schreiben imaginärer Bücher und Biografien, sei es im Konstruieren und Auflösen von komplexen Handlungsplots, trotzt dem Zufall als schicksalshaftem Element. Der Autor findet buchstäblich sein Heil in der Sprache.

[Bearbeiten] Wiederkehrende Motive

[Bearbeiten] Einflüsse

In einem Interview für die Washington Post im Dezember 2003 nannte Auster diejenigen Autoren, die den größten Einfluss auf sein Werk hatten (Reihenfolge ohne Wertung): Charles Baudelaire, Samuel Beckett, Maurice Blanchot, Jorge Luis Borges, Albert Camus, Paul Celan, Louis-Ferdinand Céline, Miguel de Cervantes, Raymond Chandler, Jacques Derrida, Charles Dickens, Fjodor Dostojewski, William Faulkner, F. Scott Fitzgerald, Dashiell Hammett, Knut Hamsun, Nathaniel Hawthorne, James Joyce, Franz Kafka, Jacques Lacan, Stéphane Mallarmé, Herman Melville, Michel de Montaigne, Edgar Allan Poe, Arthur Rimbaud, William Shakespeare, Henry David Thoreau, Leo Tolstoi, Kurt Vonnegut, Ludwig Wittgenstein.

Paul Auster, September 2007

[Bearbeiten] Kooperation mit Sophie Calle

Nachdem Auster sich für die Figur der Maria Turner in Leviathan von der französischen Konzeptkünstlerin Sophie Calle inspirieren ließ, revanchierte sich Calle, indem sie einige der dort beschriebenen Kunstaktionen real umsetzte und den Autor schließlich um neue Handlungsanweisungen bat. Auster schrieb ihr daraufhin ein als Gotham-Handbook bekannt gewordenes mehrseitiges Konzept, aus dem schließlich 2002 das gemeinsame Künstlerbuch Double-Game(engl.)/Doubles-Jeux(frz.) hervorging.

[Bearbeiten] Verschiedenes

Auster ist ein großer Baseball-Fan. Eine Leidenschaft, die bis in seine frühe Kindheit zurückreicht. Zu Beginn der 70er Jahre, noch bevor er erfolgreich als Schriftsteller arbeiten konnte, entwickelte er ein Kartenspiel mit dem Titel Action Baseball, das ein komplettes Baseball-Spiel nachstellen sollte. Er fand jedoch keinen Verlag, der das Spiel veröffentlichen wollte. Später beschrieb er die Geschichte um diesen und andere frühe Versuche aufschlussreich in seiner autobiografischen Erzählung Von der Hand in den Mund, und ließ die Spielkarten, drei Einakter und seinen ersten Roman Squeeze Play als Anhang abdrucken.

Paul Auster schreibt erste Gedanken zu späteren Büchern handschriftlich mit Federhalter oder Bleistift in kleine Notizbücher. Diese Notizen tippt er später auf einer Olympia-Schreibmaschine ab, die Anfang der 1960er Jahre gebaut wurde. Computern widersetzt sich der Autor. 1996 schrieb er eine kurze Hommage, die als Die Geschichte meiner Schreibmaschine erschien, illustriert von Sam Messer.

2004 beteiligte er sich neben 16 anderen Autoren an dem literarisch-musikalischen Projekt As Smart As We Are der Band One Ring Zero.[6] Auf diesem Kontakt basiert schließlich die Zusammenarbeit an der 2006 erschienenen CD seiner Tochter: Sophie Auster (mit One Ring Zero). Drei Songtexte stammen aus der Feder Austers, bei den übrigen handelt es sich um surrealistische Lyrik aus der Liste seiner eigenen Übersetzungen.[7]

[Bearbeiten] Zitate

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Romane

[Bearbeiten] Lyrik

[Bearbeiten] Essays und Autobiografie

[Bearbeiten] Filme

[Bearbeiten] Kunst

[Bearbeiten] Herausgeber und Übersetzer

Auster gab eine Sammlung wahrer Geschichten von Hörern des US-Rundfunks, basierend auf einem von ihm erdachten Projekt unter dem Titel I thought My Father was God (B & T Books, 2001. ISBN 978-0-8050-6714-9; Ich glaubte, mein Vater sei Gott Dt. von Thomas Gunkel, Volker Oldenburg. Rowohlt, Reinbek, 2001. ISBN 978-3-498-00061-5) heraus und war als Übersetzer unter anderem von Jean Paul Sartre, Georges Simenon, Stéphane Mallarmé und Philippe Petit tätig.

[Bearbeiten] Auszeichnungen

[Bearbeiten] Weiterführende Literatur

[Bearbeiten] Dokumentation

[Bearbeiten] Weblinks

Interviews und Begegnungen

Lesungen und Originaltöne

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Biografie und Interview in: Gérard de Cortanze, Die Einsamkeit des Labyrinths, Rowohlt, Reinbek 1999.
  2. Die Erfindung der Einsamkeit, Rowohlt, Reinbek 1993.
  3. Von der Hand in den Mund, Rowohlt, Reinbek 1999.
  4. Smoke.Blue in the Face, Zwei Filme, Rowohlt, Reinbek 1995.
  5. Kenneth Kreutzer - Paul Auster: A Brief Biography, auf www.paulauster.co.uk
  6. As Smart As We Are, Audio-CD und Buch (engl.), Soft Skull Press 2004, ISBN 978-1-93236-042-4
  7. Sophie Auster, Audio CD (engl. & franz.), Label: Naive (Indigo), ASIN: B000B9ROKO.
  8. Paul Auster in einem Interview mit Michael Naumann in Die Zeit 06/2007.
  9. Paul Auster in einem Interview mit Christiane Korff in Zeitmagazin 18/1998.
  10. Informationen zu den Filmen Austers auf der Internet Movie Database: imdb.com.
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